Archive | September, 2018

Sonderfall Maaßen: mach die Hobby-Paranoia zum Beruf

27 Sep

Eigentlich wollte ich ja nichts mehr über den Wahlkampf zum Bayerischen Landtag 2018 schreiben. Aber dann wurde dieser Maaßen befördert, und in Folge totaler Blamage aller beteiligten Parteien sehe ich mich nun genötigt erneut zur Tastatur zu greifen.

Dabei fing doch alles so harmlos an. Ende August kam es im groben Rahmen des Stadtfestes zu Chemnitz zum Handgemenge, wobei ein Deutscher erstochen wurde. Die Polizei nahm daraufhin mehrere Tatverdächtige fest. Das hätte es eigentlich schon gewesen sein können, aber wie sich herausstellte waren die Verdächtigen nicht deutschen Ursprungs, und das führte spontan zu Komplikationen. Denn hierzulande werden echte Deutsche gefälligst von echten Deutschen erstochen. Anstatt also die Polizei einfach ihre Arbeit machen zu lassen griff man in Sachsen eine handfeste Tradition im Namen des Fremdenhasses randalierend durch die Straßen zu ziehen. Also wie in Bayern, nur halt mit mehr Gewaltbereitschaft. Da haben unsere Ost-Nazis einfach demografische Vorteile.

Chemnitz via Getty Images

Nazis brauchen eigentlich keinen Grund um ihre Dummheit auszuführen. Aber wenn sie einen finden feiern sie eine schöne braune Party. via Getty Images

Im Rahmen dieser spontan zusammengeflickten Demonstrationen kam es zu unschönen Szenen bei denen anders-aussehende Mitmenschen durch die Straßen oder von Plätzen gejagt wurden. Auch das ist im AfD-geprägten Raum kein Novum mehr. Seit Jahren kursieren im Internet Videos die dokumentieren wo und wann Ausländer von Rechtsextremen angepöbelt oder angegriffen werden. Was genau also den Oberaufseher des Verfassungsschutzes, H-G Maaßen, dazu veranlasste sich ein einzelnes Video vom 26. August herauszunehemn und dessen Echtheit in Frage zu stellen lässt sich nur schwierig aufarbeiten. Vielleicht war ihm ja einfach nur langweilig. Jedenfalls ließ sich Herr Maaßen gut zwei Wochen nach der initialen Messerattacke dazu verleiten vor die Presse zu treten und die Geschehnisse zu kommentieren. Vor den Ohren des hochseriösen Boulevardpapiers „Bild“ sagte er: „Nach meiner vorsichtigen Bewertung sprechen gute Gründe dafür, dass es sich um eine gezielte Falschinformation handelt, um möglicherweise die Öffentlichkeit von dem Mord in Chemnitz abzulenken.“ Auf die angeblichen „Belege“ die der verfasste Schützer dabei zitiert warten wir bis heute vergeblich. Vermutlich weil er sich die genau aus der braunen Soße gezupft hat die auch seinem Chef, König Horst, als primäre Ideenquelle dient.

Jetzt kann man lange und ausdauernd darüber diskutieren, welche Personengruppen hierzulande Interesse daran hätten von einem „Mord […] abzulenken“. Da diese Art Vertuschungstaktik traditionell in den Arbeitsbereich des Verfassungsschutzes fällt, könnte man zudem meinen, Maaßen fühle sich einfach in der Befehlskette übergangen. Aber diese Diskussion hilft uns überhaupt nicht dabei zu verstehen, warum Maaßen lieber Verschwörungstheorien aus der Taufe hebt als zuzugeben, dass es in Ostdeutschland eine rechte Szene gibt. Es gibt bei uns im Osten viele gewaltbereite Nazis. Das ist schon lange bekannt, nicht erst seitdem der Verfassungsschutz erfolglos versuchte die NSU-Mordserie zu vertuschen. Rechte Gewalt lässt sich einfach nicht schönreden. Wegreden schon gar nicht. Herr Maaßen sah und sieht das anders, und genau darum riefen führende Politiker umgehend nach seinem Abgang von der politischen Bühne.

HG Maassen via Bundesamt für Verfassungsschutz

Würden Sie von diesem Filz-Igel eine Verfassung kaufen? Mir fällt jedenfalls kein öffentlicher Posten ein an dem ich dieses Gesicht gern sehen würde. – Foto via Bundesamt für Verfassungsschutz

Dem Superminister für Heimat, Inneres und Bau (letzteres gibt mir bis heute Rätsel auf) war es jedoch wichtig seinem geistigen CDU-Genossen den Rücken zu stärken. Selbst nachdem Vertreter seiner eigenen Partei Kritik an Maaßens Verschwörungs- und Vertuschungstheorien äußerten blieb König Horst bei seiner strittigen Meinung, dass Maaßen richtig gehandelt habe. Als dann der öffentliche Druck zu groß wurde um den obersten Verfassungsschützer im Amt zu halten, setzte sich Seehofer fix für eine Beförderung desselben in sein eigenes Ministerium ein: Maaßen sollte bei 20% Gehaltserhöhung Staatssekretär im Innenministerium werden. Selbst der SPD, welche ja in den vergangenen fünf Jahren nie mit Kritik an der Regierungsführung sparte, leuchtete diese Beförderung sofort ein. Frau Nahles, die Vorsitzende des inoffiziellen Merkel-Fanclubs, stimmte dem Versetzungsvorschlag umgehend zu. Über den enormen politischen Spagat der die SPD seit Jahren dazu befähigt die Regierungsführung zu kritisieren und selbige gleichzeitig zu unterstützen wird an anderer Stelle zu sprechen sein. Soviel Zeit haben wir heute nicht.

Frau Nahles jedenfalls begründete ihre Zustimmung zum Beförderungspakt mit einem drohenden Bruch der Koalition. Wozu wir eine Koalition überhaupt brauchen die sich nur mit sich selbst beschäftigt, und die ständig irgendwelchen Landtagswahlkämpfern Geschenke überreicht, sei mal dahingestellt. Was wir aber auswerten sollten ist die Sinnhaftigkeit einer Regierung die Verschwörungstheoretiker mit Beförderungen belohnt.

Warum kann der HG Maaßen eigentlich nicht einfach seine Arbeit machen? Seine Äußerungen im Rahmen der rechtsextremen Übergriffe rund um Chemnitz tun überhaupt nichts zum Schutz der Verfassung. Schön wäre hingegen, wenn der Verfassungsschutz mal hart durchgreifen würde gegen Nazis und Rechtspopulisten, also Leute die aktiv die Integrität des deutschen Staates gefährden. Glattrasierte Demonstranten die den Hitlergruß winken – sofort inhaftieren. Menschen die verbal gegen andere Menschengruppen hetzen – sofort einsperren. Aber da fühlen sich zu viele Politiker des deutschen Bundestages vermutlich selbst angesprochen, weswegen eine entsprechende Regelung hierzulande in absehbarer Zeit nicht greifen kann.

Indes hat Frau Merkel nunmehr eingesehen, dass sie selbst in dieser Affäre nicht schnell und hart genug durchgegriffen hat. In einer Pressekonferenz am 24.9. merkelte sie an, dass es irgendwie doof sei, wie die Koalition total am Volkswillen vorbei entschieden hätte. War ja auch nicht zu erwarten, dass der Pöbel sich einer eigenen Meinung zur Unfähigkeit der sie verwaltenden Regierung erdreistet. Frau Merkel hat jedenfalls eingesehen, was ein Mensch der komplette Unfähigkeit im Amt beweist nicht verdient: eine Beförderung. Jetzt gilt es ihrer Lobbyisten-Clique klarzumachen was er stattdessen verdient: einen saftigen Rausschmiss.

Wäre ich Sicherheitsbeauftragter eines Mechanikerbetriebes, und unter meiner Aufsicht fiele einem minderbemittelten Arbeiter der Schwingschleifer auf den Clownsfuß, und ich stellte mich unaufgefordert vor die Presse und sagte: „die Juden warn’s.“ Dann stünde ich am Folgetag mit einigen anderen schwer vermittelbaren Trotteln vor dem nächstgelegenen Arbeitsamt.

Wenn ich aber als Präsident des Verfassungsschutzes anstatt meiner Arbeit nachzugehen wilde Theorien verbreite, über die Inszenierung einer rechten Szene durch linksradikale Verschwörungsgruppen, dann schafft man für mich einen Posten als „Sonderberater“ im Innenministerium. Im Grunde ist die Botschaft aus dem Ministerium doch folgende: „Diese weltfremde Paranoia ist so ausgefallen und für unsere eigenen Zwecke zielführend, davon brauchen wir unbedingt mehr. Zukünftig machst du das hauptberuflich.“

Vielen Dank an die SPD, für ihr gewohntes Stammeln und Schweigen zu Themen die Wählen bewegen. Danke an die CDU für die Bereitstellung des Streitobjektes. Und Danke an die CSU für die bedingungslose Unterstützung realitätsferner Verschwörungsphantasien. Weniger hatten wir von Euch auch nie erwartet.

Urheberrechtsverletzung

Ich schätze ja bis Ende des Jahres ist der Herr Maaßen entweder von der öffentlichen Bühne verschwunden, oder in die Parteipropaganda der CSU integriert. Er passt da einfach rein. – Bild via paolo-calleri.de

Advertisements

Stop advertising your sex, unless you want to

2 Sep

A friend of mine recently posted the story of a woman who thinks that ladies should not be forced to wear bras. I agree. Very specific items of clothing should only be stipulated in very specific environments. Like contour-covering tops in a school, or their absence in a topless bar. But although I merely expressed that I found the whole discussion ridiculous, the argument quickly escalated into a discussion regarding the public display of sexuality. Naturally, most commentators chose to misunderstand my thoughts.

Clothes set people apart, and women are way more aware of that than men. Just look around the local mall. Almost all of the younger men wear jeans and t-shirt, and as they age they replace the latter with a chequered shirt. This is what men wear. Most of the time we don’t put much time into choosing our wardrobe, because we simply don’t know any better. We wear jeans and t-shirt, because this attire is nearly always appropriate.

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For a man this attire is already very inventive. The occasions on which I wear a tie are very rare indeed.

Women, however, have to make a statement with their choice of clothing. They cannot bear wearing the same outfit as any of the other two thousand ladies at the mall, so they go through great lengths to select very specific items of clothing.  They don’t usually think of it in this way, but they do want to look different. There really is nothing to discuss here. Clothes set people apart, and women are aware of it.

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Men don’t wear pants like these for reasons of comfort.

Some clothing is functional, like the brightly coloured attire of a fire fighter. Some clothing is unifying, like the uniforms of store clerks. Some clothing is sexually suggestive, like the shiny pants that outline every crevice of the bum.

During mating season the ass of baboons swells up and reddens. This is to inform the other sex that it is time to choose a partner for collaborative efforts of saving the species. During mating season most male song birds are brightly coloured, and perform crazy dances or songs. The lady birds choose their sexual partners based on this display. Male deer wear elaborate displays of antlers, for the same reason.

This is what the biologist calls a sexual display. The display sets the individual apart from all other animals, and signals that this might be the right mate. “You like my grand display of antlers? Then come over here for some sweet loving, chiqua-deer!”

Primates do not have antlers, or feathers, so they rely on other visual clues to advertise their sexuality. In baboons it’s the ass. In humans it’s breasts. Big breasts promise a great survival rate for the offspring, so they are favoured over smaller milk-producers. Again, this is a simple biological deduction. You don’t need to be aware of it; it happens anyway. Just the same, women prefer muscular men as partners, because they promise a great degree of protection. These are simple sexual cues that most people react to.

Many women use make-up to accentuate their lips, or cheeks, or eye lashes. These women are “advertising” their lips, cheeks, or eye lashes. They intentionally set these things apart from everything else, and thus advertise them. This is not really subject to debate; there is nothing detestable about wearing make-up. If you want to show a big mouth, or small eyes, or clumsy legs, you can totally do that. This is your choice, and you shall have it. Just be aware that biologists call this “advertising”. It has nothing to do with market goods or sell-outs. You are merely putting a specific part of yourself on display. And there is NOTHING wrong with that.

You cannot detest the word itself, because it has the right of seniority. “Advertisement” is derived from the Latin advertere, meaning “to draw one’s attention towards something”. Contesting the meaning of the word puts you in one line with ignorant push-bullies like Donald Trump or Kellyanne Conway. Words have meanings. You can’t change those meanings just by ignoring them.

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When the heirs of Fukushima chose the name of their new mascot they obviously did not care about words and their meanings. Please don’t make that mistake.

When you are wearing a muscle shirt, or a crop top, or ass-hugging pants, you are calling attention to those particular aspects of your body. You are “advertising” them. Many people do this on purpose. A magician, for example, advertises his hands, to distract you from the cards hidden on the table. A cop advertises his arsenal of weapons and utilities, in order to discourage violence. A stripper advertises his massive penis, to create sexual tension among the onlookers, and challenge them for a bigger tip.

None of this is new; none of it is in an ordinary way problematic. Women nowadays call attention to their breasts and booties through tight-fitting clothes, or “scandalously” short pieces of cloth that leave very little to imagination. Most women know fully well that specific items of clothing make them sexually more attractive, and they chose these items for that effect. You don’t wear low-crop pants because your vagina needs the extra air; you wear them because you “look good in them”. In other words, you are calling attention to your reproductive organs and your buttocks; you are advertising your sexuality. Men do the same when they stuff a sock down their pants, or wear shirts that are one size to small for them.

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If you don’t want people to talk about your bum, maybe don’t wear these pants.

Mind the difference between advertising sexual attractiveness, and advertising sex. You can “look good” without promoting coitus. You can look “slutty” without creating personal attraction. These are two very distinctive concepts. It is acceptable to look sexy in public, it is not acceptable to “look for sex”. The latter would either be called sexual predation, or prostitution, depending on which end of the condom you’re on. Neither of which is acceptable outside of the Red Lights District.

Now, I agree that people have a right to dress sexy in public. But this must be open for commentary. If you are carrying your melons to the market, the customers are allowed to debate their shape and size. Likewise, if you have really big breasts, and you conceal them only behind a string bikini, you are making your breasts a discussable subject. Everything that is different, particular, or extraordinary is open for public commentary. This is called “freedom of speech”.

The fruit vendor won’t forbid you to talk about his discoloured melons just because he finds that conversation uncomfortable. If he wouldn’t want people to talk about his melons, he would have covered them up. Similarly, the only way to prevent people from talking about your booty is by hiding it.

If you don’t want people to talk about your body, then don’t advertise it. If you want to discourage comments about your lips, don’t colour them brightly red. You have no reason to feel offended, repressed, or objectified, if you cover your breasts with a latex top that lifts your breasts, and shows your nipples. The owner of a fancy restaurant has any right to refuse you entry in such attire. You chose that garment because it makes you look sexy, so don’t complain when people say you look sexy. You cannot dress in a way that draws looks, and then forbid people to look.

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If you dress like this, and claim you don’t want to be looked at, you are being extremely dishonest.

This is not taking away from any debate on sexual predation. Rape is bad; there are no valid excuses. I am only saying that women who utilise particular garments to advertise their sexual traits have no claim to innocence in a verbal argument. In an open society it is always allowed to talk about noteworthy things, be it the size of a sports car, the voice of a busker, or the shape of buttocks. If you put it on display, it is fair game for conversation. If you don’t want it talked about, don’t put it on display.