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Heul doch! Türkische Diktatoren und deutsche Hetze

23 Jul Mesut Özil via 123rf.com

Ich interessiere mich eigentlich überhaupt nicht für Fußball. Immer nur mauern, immer schauspielern; immer erst fünf Sekunden auf dem Rasen herumrollen bis die richtige Kameraperspektive gefunden ist. Langweilig! Selbst von der gerade erst vergangenen Weltmeisterschaft in Russland habe ich nur ein Spiel gesehen – zufälligerweise exakt das Spiel in dem die deutsche Nationalmannschaft glimpflich davongekommen ist. Und auch das nur, weil ich im Parkclub eine Einmietung betreut habe bei der die Gastgeber unbedingt das Spiel auf unseren Fernsehern verfolgen wollten. Nur so kann man mich überhaupt dazu bewegen mich zum Fußball zu äußern: indem man unabdingbar und laut lärmend um mich herumdribbeln.

So nun las ich in der Morgenzeitung über den Rückzug von Mesut Özil aus der deutschen Nationalmannschaft, begründet nicht, wie sonst üblich, mit altersbedingtem Leistungsabfall, schlechter Presse, oder höherer Gehaltsaussicht im Trainerposten, sondern durch Fremdenfeindlichkeit. Das Thema ist natürlich ein alter Hut, und wird hierzulande mittlerweile mit Gähnen kommentiert. Umso interessanter ist allerdings die Diskussion unter den Kommentierenden.

Mesut Özil via 123rf.com

Mesut Özi bleibt immer in Bewegung. Auf dem Platz rollt er in seinem eigenen politischen Abfall; außerhalb weich er deutschem Rassismus aus. via 123rf.com

Die deutschen Pressestimmen lassen in ihrer Darstellung keinen Zweifel daran, dass hier ein politisches Neymar-Manöver stattfindet. Erneut geht es um Özils werbewirksames Foto mit Sultan Erdogan, kurz vor der türkischen Präsidentenwahl 2018. Erneut geht es um Özils fotografische Unterstützung eines mutmaßlichen Diktators, und um die Frage ob ein gebürtiger Deutscher sich in die politische Agenda eines osteuropäischen Gewaltregimes einspannen lassen sollte.

Wer aber Özils Erklärung gelesen hat, weiß, dass die Presse sich hier ihre eigene Geschichte zurechtbastelt. Ganz offiziell begründet der Gelsenkirchener mit den türkischen Wurzeln seinen Rücktritt mit dem plakativen Rassismus der ihm in Deutschland entgegenschlägt. Und das sollte man eigentlich auch genau so respektieren.

Natürlich ist von Nationalspielern eine gewisse Abhärtung gefragt. Jede Putzhilfe muss in ihrem Arbeitsumfeld mentale Erniedrigungen ertragen; da sollten Pressesternchen mit Millionengehältern auch nicht zimperlich sein. Kann gut sein, dass der ehemalige Nationalspieler mit derart viel Rassismus und Fremdenhass konfrontiert wurde, dass es ihm einfach zuviel wurde. Da kann man schon mal seinen Job kündigen, wenn man sich am Arbeitsplatz nicht mehr wohl fühlt. Angeblich zahlt Arsenal London ihm um die €20 Millionen jährlich, und die Inselbewohner sind ja auch nicht gerade Musterbeispiele der Toleranz. Bei den von Özil vorgebrachten Anschuldigungen gegen deutsche „Fußballfans“ insgesamt, und Vertreter des DFB im speziellen, wundert es mich nicht, dass er seinen hiesigen Posten aufgibt. Das Londoner Gehalt reicht locker aus um mehrere Großfamilien bis ans Ende ihrer Tage durchzufüttern; der zusätzliche Stress in der deutschen Nationalelf, und die damit verbundene Moppelkotze die durch die hiesigen Boulevardblätter strömt, muss man sich bei aller Vaterlandsliebe nicht antun.

Mesut Özil Nationalabschied via Twitter

Mesut Özils Nationalabschied via Twitter. Um Politik geht’s da auch, aber seine Begründung fußt erstmal auf Fremdenfeindlichkeit. Und da hat er recht.

Eine wesentliche Kritik muss ich aber doch anbringen. Wer sich ungezwungen mit dem türkischen Amts-Sultan ablichten lässt, der kann sich nicht darüber beschweren als Deutsch-Türke bezeichnet zu werden. Du bist Deutscher, mit türkischer Familie. Es gab keinen deutschen Nationalspieler ohne türkische Familie der sich mit Erdogan fotografieren ließ. Die Verbindung ist daher so offensichtlich wie jener zu deinen Sponsoren Mercedes und Adidas. Erdogan hat ja nicht einmal was in Özils Spendenbox geworfen; warum also die Werbetrommel für ihn rühren?

Da kannst du gern hinterher beteuern nichts gewusst zu haben, von den Inhaftierungen und Foltern, dem versuchten Genozid an den Kurden, der Presseverfolgung, dem Verbot kritischer Meinungen, der Anstrebung einer Diktatur. Über Erdogans schändliches Verhalten wurde jahrelang und ausführlich berichtet. Wenn du davor deine Augen verschließt ist das deine eigene, bewusste Entscheidung, die sich nicht durch „Respekt vor dem Amt“ wegwischen lässt. Wer einen Diktator unterstützt, und sei es nur verbal, der ist hierzulande gezwungen sich dazu zu äußern. Politisches Engagement lässt sich durch kein Sportabzeichen der Welt überkleben, und in diesem Punkt fehlt bei Mesut Özil bis heute jede Einsicht.

Sportplatz in Alesund, Norwegen

Blühende Landschaften, nicht nur im Osten. Hier mal ein friedliches Bild von einem Sportplatz in Norwegen.

Mein Fazit ist dies: Mesut Özil spielt nicht mehr für die deutsche Nationalmannschaft, und hat seine Entscheidung mit der offenen Fremdenfeindlichkeit deutscher Personen und der politischen Agenda des hiesigen Fußballbundes begründet. Dafür respektiere ich ihn. Er hat aber auch maßgeblich dazu beigetragen, dass im mittleren Osten ein neuer Diktator an die Macht streben kann, und hat in der anschließenden Diskussion selbst die Rassismuskarte gezogen. Und für dieses politische Naymar-Manöver denunziere ich ihn.

Sultan Erdogan against the European Terror Grandpas

23 Aug The Korean War Memorial in Washington D.C.

For about a decade the elected “president” of Turkey has been trying to make his country a member of the European Union, and for even longer he has been moaning about our European freedom of speech, and how much it disgusts him. Ever since he declared martial law over his country Erdogan’s helpers have been arresting political opponents left, right, and center. And after convincing his people to grant him dictatorial powers (by democratic vote, mind you!) he now also employs the police forces of other nations in his politically motivated man hunt. However, the most recent target of his elongated arm of injustice might prove to be a stumble in the wrong direction.

 

Lisbon, port view

Maybe it’s just too hot in Southern Europe. Some politicians there have immensily stupid ideas.

Dogan Akhanli is a German author with Turkish roots, and he has always had much to say about the new Ottoman kingdom. Especially now that Erdogan has nearly dictatorial powers Akhanli is full of criticism for Turkey, and the people that govern it. And so, Sultan Erdogan has ordered the prosecution of Akhanli, as he did with so many of his critics before, once again masking his efforts “protection against terrorism”. Last weekend Interpol located Akhanli during his vacation in Spain, and since Interpol is bound by international law he is now being held in detention by the Spanish authorities, while a Spanish court must decide whether or not the 60-year old author should be extradited to Turkey.

The latter is rather unlikely, since Turkey’s arrest order is based on a case of armed robbery; a case that dates back nearly thirty years, and one that he has been acquitted from in 2011. Back then the defence bench won significant points when two of the witnesses admitted to having been bullied by the police into implicating Akhanli in a robbery that he had otherwise nothing to do with.

 

Demise of International Police Efforts

So, Akhanli is German, a writer, and a critic of Sultan Erdogan; and there is no way Spain would ever extradite him to Turkey, not based on a poor accusation that is so blatantly motivated by non-democratic politics. Then why are we still talking about this subject? Because the case of Dogan Akhanli is a new escalation of Turkey’s war on its international critics. (Maybe I should be glad that nobody ever reads my blogs. For now I can still travel to the Middle East without fearing imprisonment.) As long as Erdogan prosecuted only his own people there was not much for his international partners to criticise. But now that he abuses Interpol, an international police force tasked with the prevention of drug traffic, terrorism, and illegal arms deals – you know, stuff that actually matters to all of us – now Europe has reasons to officially condemn and discredit Erdogan’s poor state of mind and his complete lack of diplomatic care.

In the past eight months Sultan Erdogan has ordered the arrest of many thousands of Turkish citizens, many of them seeking “refuge” (i.e. living) in European countries, where they hold first or second citizenship. All of these dissidents are accused of terrorism and conspiracy against Turkey, and the vast majority of them are journalists or otherwise literate critics of the sultan’s rule. That brings up some important questions: How desperate must a terrorist organisation be to enlist newspaper columnists and retired poets as their primary warriors? How much does it pay to rain death and destruction on the new Ottoman kingdom via pen and paper? And why haven’t organisations like ISIS and Al Qaida moved in on that business opportunity yet?

 

The Korean War Memorial in Washington D.C.

Turkey seems to be frozen in a political war against itself. Some days the Ottoman Empire relives some of its glory.

Let my people go!

Turkey has been demanding the extradition of European “terrorists” for many years; never providing any evidence for the legitimate prosecution of those thousands of journalists; all the while keeping political hostages imprisoned that worked for European news agencies, or spoke up against inhumanity, or simply went on vacation in Turkey, and stumbled into a left-winged demonstration. Now we finally have the opportunity to get those people back onto EU soil. We just claim them to be terrorists, and demand their immediate extradition to their respective home countries. As Turkey has shown, it is rather unnecessary to provide evidence for such ludicrous claims, and any disobedience to those demands justifies the use of foul language against the Turkish government.

It is disheartening to see how the ignorant loud mouths have taken over the international political stage, and that often enough the people they govern go along with their perverted ideas or political incorrectness. But if Sultan Erdogan accuses us to harbour terror grandpas and deadly poets in our democratic countries, the least we can do is demand the return of our own terror tourists.